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Unterwegs auf dem Blocksberg

„Die Salbe gibt den Hexen Mut,
Ein Lumpen ist zum Segel gut,
Ein gutes Schiff ist jeder Trog;
Der flieget nie, der heut nicht flog.“

Wie in meinem letzten Romantagebuch erwähnt, war ich zuletzt zwei Tage mit einer meiner Rollenspielgruppen unterwegs im Harz. Genauer gesagt auf dem Brocken, den man auch als den Blocksberg kennt. Wir hatten durchaus ein strammes Programm, was sich letztlich aber vollkommen stressfrei bewältigen ließ. Einzig die An- und Abreise zum bzw. vom Bahnhof der Harzer Schmalspurbahnen in Wernigerode hat sich ein wenig gezogen.

Aber: Was haben wir denn eigentlich so gemacht? Gestartet hat alles mit einer Fahrt in einer historischen Dampflok hoch hinauf bis auf den Gipfel des Brocken.

Wir wussten schon vorher aus dem Wetterbericht, dass uns ab einer gewissen Höhe dichter Nebel erwarten würde – und so kam es schließlich auch. Ab ungefähr der Halbzeit der Fahrt (Bahnhof Schierke) konnte man leider nur noch ungefähr drei Meter weit sehen; auf dem Gipfel selber kamen dann noch starke Böen hinzu. Das hat uns allerdings nicht sonderlich geärgert, denn das passte alles zum Abendprogramm: Wir wollten nach einem gemütlichen Whiskey-Tasting ein Call of Cthulhu Abenteuer spielen. Dafür hatten wir uns die gesamte Aussichtsplattform auf der obersten Etage des Brockenhotels (ehemalige Militäranlage der DDR) gemietet. Und das war mit Abstand die ausgefallenste Location, in der ich je ein Rollenspiel geleitet oder gespielt habe: Durch den Nebel war der Raum zunächst wie direkt aus Silent Hill entnommen; der einsame Tisch in der Mitte der großen Fläche tat sein Übriges; nachts war durch Nebel und Dunkelheit eine komplette Schwärze um uns.

Nachdem wir den Nachmittag über in der Hexenklause eine Grundlage geschaffen hatten (wir hatten u.a. Folienkartoffeln, Ochsenbäcken, Haxe, Wildgulasch, Harzer Knieste, …) und ein wenig im Nebel um das Hotel gelaufen waren, widmeten wir uns dem Whiskey. Für das Tasting hatten haben wir uns eine Auswahl von unterschiedlichen Sorten mitgebracht. Außerdem gab es schon für die Fahrt eigens gravierte Flachmänner von unserem Dungeons&Dragons Spielleiter und vor Ort dann Nosing-Gläser von einem Mitspieler. Wir hatten folgende Whiskeys parat:

  • Bushmills Single Malt Irish Whiskey 16 Years
  • Singleton of Dufftown Single Malt Scotch Whiskey 12 Years
  • Tomintoul Speyside Single Malt Scotch Whiskey
  • Hibiki Suntory Whiskey „Japanese Harmony“
  • Sea Shepherd Islay Single Malt Scotch Whiskey

Da ich wusste, dass ich später ja noch leiten muss, ich eh schon sehr müde von der Anreise war und ich manchen Alkohol nicht so gut vertrage, habe ich nicht alle Sorten mitprobiert. Meine klaren Favoriten sind allerdings der Tomintoul, weil er super angenehm am Gaumen ist und da einen sanften Geschmack entfaltet und – auf Grund seiner extremen Rauchigkeit – der Islay von Sea Shepherd. Auch wenn ich dessen vermutlich schnell überdrüssig werden würde.

Nach dem Tasting ging es dann ans Rollenspiel. Wir haben Cthulhu in der Gegenwart gespielt. Der Kniff: Jeder hat sich selbst als Charakter nachgebaut und ich habe ein Abenteuer geschrieben, welches genau bei uns am Abend anfängt. Der Aufhänger war: Nach dem Whiskey-Tasting sind wir alle nochmal ins Zimmer und zum Start des Spiels kommen wir dann alle zusammen. Nur einer fehlt: Ich als Spielleiter. Am Ende kommt über Interaktion mit Hotelbediensteten und gefundenen Kontakten über Handy heraus, dass ich (und andere Touristen vorher) von Hexen entführt wurde und für eine Beschwörung in eine kleine Höhle am Hang geschafft wurde. Hexen, die sich schon im Zug als Fahrkartenkontrolleurin und im Hotel als Angestellte ausgegeben haben, hielten hier eine große Scharade aufrecht. Natürlich haben mich die Jungs gesucht, wollten nicht erst auf die Polizei warten (die einige Zeit braucht, um auf den Brocken zu kommen) und konnten mich retten. Das Knacken des Gebäudes und plötzlich aus der Dunkelheit des Flurs vor der Glasscheibe unserer Plattform auftauchende Touristen sorgten für zusätzliche Stimmung.

Als Nebenbemerkung sei gesagt, dass insgesamt das Thema Hexen im Harz und auf dem Brocken allgegenwärtig ist – richtig kitschige Souvenirs oder Touristenfallen habe ich aber nicht wahrgenommen.

Nach der Rollenspielrunde ging es dann nochmal gegen 1 Uhr nach draußen. Zunächst in die Windhütte, wo einige von uns Zigarren verköstigten, und anschließend nochmal für einige rund um das Hotel. Dann aber schließlich ging es ins Bett.

Am kommenden Tag war der Nebel verzogen und wir hatten nach dem Frühstück die Chance noch einmal den imposanten Ausblick zu genießen. In den anderthalb Stunden, die wir bis zur Abfahrt des Zuges hatten, sind wir noch ein wenig um das Hotel gelaufen und haben das lokale Museum im Nebengebäude des Hotels besichtigt. Auch den Funkturm konnten wir endlich mal in voller Größe sehen.

Nach anderthalb Stunden Dampflok zurück durch die unwirkliche Landschaft (der Harzer Wald stirbt und große Flächen sind zusätzlich vor ein paar Wochen abgebrannt), kamen wir wieder am Wernigeroder Hauptbahnhof an, beluden unsere Autos und machten uns auf den Rückweg.

Zwei vollgepackte, trotzdem stressfreie und sehr schöne Tage waren es im Harz!

Published inRollenspielUnterwegs