Diese Woche habe ich spontan zwei Dinge entschieden, über die ich kurz berichten will.
Erstens: Kommende Woche bin ich auf der Frankfurter Buchmesse. Als Besucher, ohne Stand, ohne Termine, ohne fixe Mission. Aber eben auch nicht nur zum Berieseln lassen. Nach meiner Recherchewoche zum Selbstverlag im August und dem Hinweis der Agentin, dass für einen historischen Regionalkrimi der Weg über Kleinverlage der klügere sein könnte, will ich mir anschauen, wie dieser Betrieb eigentlich funktioniert. Es gibt ein paar Programmpunkte, wo über Verlagsarbeit und auch Selfpublishing gesprochen wird. Das will ich mir anschauen.
Und zweitens: Ich habe eine Kurzgeschichte zu einem Literaturwettbewerb eingeschickt. Zur Recklinghäuser Literaturnacht der Neuen Literarischen Gesellschaft, einem Wettbewerb für Autorinnen und Autoren aus Nordrhein-Westfalen. Die ausgewählten Texte werden im November von ihren Verfassern selbst vorgelesen, es gibt einen Jury- und einen Publikumspreis. Das hat mich Überwindung gekostet, einen Text der öffentlichen Bewertung freizugeben. Aber das will ich irgendwann ja noch in einem größerem Rahmen machen. Also: Einfach mal machen.
Zeigen darf ich die Geschichte leider noch nicht, unveröffentlicht muss sie bleiben, solange sie im Rennen ist. Sobald das geklärt ist, lade ich sie hier auf die Seite, egal wie es ausgeht. Dennoch will ich ein wenig über das Entstehen der Geschichte schreiben und dadurch einen Bogen zu meinem aktuellen Schreibmodus schlagen. Denn dieser hat sich über die letzten Monate deutlich geändert.
Lange Zeit habe ich alles digital geplant (darüber habe ich auch schon hier im Blog berichtet). Miro war dabei ein viel eingesetztes Werkzeug: Figuren als Kärtchen, Handlungsstränge als Pfeile, Zeitleisten, Verknüpfungen, alles verschiebbar, alles farbig, alles jederzeit umbaubar. Das sah großartig aus. Aber: Ein Board wird nie fertig. Man kann es endlos weiter verfeinern, und jedes Verschieben fühlt sich nach Arbeit an, obwohl keine einzige Zeile Text dabei entsteht. Irgendwann hat man ein prachtvoll sortiertes Board, aber der Text wächst nicht.
Heute ist am Rechner nur noch Scrivener offen. Darin schreibe ich und verwalte auch meine gesamte Wissensdatenbank zum jeweiligen Projekt: Orte, Figuren, Begriffe, historische Recherche, die Regeln, nach denen die Welt funktioniert. Dazu nutze ich natürlich auch das Internet für schnelle Recherchen, wenn ich etwas nachschlagen muss. Das war es an digitalen Werkzeugen. Alles andere passiert mit Stift und Papier.
Aber: Am Schreibtisch bin ich angespannt. Das ist die Haltung, in der ich arbeite, Kundengespräche führe und Excels ausfülle. Meiner Kreativität nicht zuträglich. Ich bilde mir zumindest ein, dass Ideen dort nicht so einfach entstehen. Daher gibt es (wenn ich nicht gerade an öffentlichen Arbeitsplätzen in der Bibliothek oder dem Landesarchiv schreibe) jetzt noch einen weiteren Ort: Meinen Sessel!
Dort liegt am Wochenende mein halbes Arbeitsmaterial. Die Sekundärliteratur für “Tod zur Spargelzeit”, Regionalgeschichte, alte Bildbände. Und mein komplettes Manuskript. Ich lese es aktuell mit Bleistift in der Hand, streiche an, klebe Zettel hinein, schreibe an den Rand.
Auch meine Notizen wandern jetzt in Hefter, und die Hefter tragen keine Nummern, sondern Ortsnamen: “Geldern”, “Walbeck”, “Duisburg”. Immer der Ort, an dem mir das Wesentliche darin eingefallen ist. Das klingt nach Spielerei, aber ich finde damit alles wieder. Für meine UK-Reise später im Jahr liegt auch schon ein leerer Ordner bereit, in welchen nach der Reise meine Zettel reinkommen, wenn welche entstehen. Mit der Zeit soll so ein Archiv an Ideen und Notizen entstehen, wie es schon für meine Rollenspiel-Runden entstanden ist (zu sehen auf dem Titelbild diese Woche).
Ich bin außerdem bei Stiften pedantisch geworden. Bleistift in H, weil mir weiche Minen die Buchränder verschmieren. Rot für Anstreichungen, Blau für Zwischennotizen, Schwarz für “fertigen” Text. Die ersten Ideen entstehen grundsätzlich handschriftlich. Das ist die wichtigste Regel, die ich mir in diesem Jahr angewöhnt habe. Erst wenn eine Szene auf Papier steht und ich weiß, was sie eigentlich soll, setze ich mich an den Rechner und tippe sie in Scrivener.
Geschrieben wird nicht jeden Tag. Ich habe das lange versucht, mit Tagesziel und Zählerei, und es hat mir vor allem ein schlechtes Gewissen an all den Abenden eingebracht, an denen ich nach Feierabend zu nichts mehr Lust hatte. Schreibtage sind inzwischen Mittwoch, Freitag und Samstag. Mittwoch und Freitag nach Feierabend, Samstag der lange Block, an dem auch mal ein ganzer Nachmittag draufgeht. Dazwischen wird gelesen, notiert und spazieren gegangen. Beim Schreiben läuft Musik, meistens selbst gebaute Playlists, die von der Stimmung her zum Stoff passen.
Soweit erstmal dazu. Nächste Woche gibt es dann hoffentlich ein paar Eindrücke von der Buchmesse.
Euch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche!
