Die Ausgangssituation: Ein Verlag, bei dem ich mich mit meinem Manuskript von “Tod zur Spargelzeit” beworben habe, würde die Handlung lieber in die 1950er Jahre anstatt der bisherigen 1920er Jahre verlegen. Zumindest legt der Verlag mir nahe, so mehr Aussicht auf Erfolg zu haben. Also habe ich mir meinen Text nochmal vorgenommen und geschaut, ob ich das machen will.
Die Antwort ist “Nein”. Und hier sind meine Hauptgründe dafür:
- Forensik. 1927 lässt sich ein Verdacht chemisch erhärten, aber kein Fall im Labor lösen. In den Fünfzigern gibt es das LKA, routinemäßige Daktyloskopie, Ballistik und eine belastbare Toxikologie. Also einen Apparat, der dem Ermittler die Arbeit abnimmt. Mein Roman lebt davon, dass niemand sie ihm abnimmt.
- Kommunikation. Der Fernsprecher hängt an der Theke der Dorfwirtschaft, nicht in jedem Haus. Mit Funkstreife und flächendeckendem Telefon verliert die Geschichte ihre wichtigste Reibung.
- Ländliche Infrastruktur. Höfe versorgen sich größtenteils selbst, niemand prüft sie regelmäßig, Behörden erfahren von Zuständen erst, wenn jemand sie meldet. Dass etwas über Monate unbemerkt bleiben kann, ist 1927 Alltag, aber in den Fünfzigern müsste ich es umständlicher begründen.
- Die junge Generation. Meine Jugendlichen sind Jahrgang 1909/10. Also zu jung für den Krieg, aufgewachsen in einer Republik, die ihnen wenig verspricht. Ihre Ungeduld ist ganz natürlich. Zehn Jahre nach Kriegsende würde aus meiner Sicht jede ihrer Regungen politisch gesehen.
- Der Schauplatz lebt vom Aufbruch. Der Spargelanbau am Niederrhein ist in den Zwanzigern jung, die Genossenschaft im Aufbau, das Dorf entdeckt gerade, was es sein könnte. In den Fünfzigern wäre das Routine und die Landschaft selbst eine andere.
Ich werde also ohne diese großen Anpassung weiterhin mein Glück bei Verlagen versuchen und euch hier auf dem Laufenden halten. Zwei weitere Kandidaten habe ich aktuell in meiner engeren Auswahl und will sie die nächsten Wochen anschreiben.
Außerdem habe ich in der vergangenen Woche meine Anmeldung zum “Deutschen Autorentag” fix gemacht. Ein Wochenende am Berliner Wannsee mit Workshops, Vorträgen und Networking – organisiert von der Schule des Schreibens. Im Frühjahr 2027 ist es soweit; ich freue mich tierisch (und zwar sowohl auf die Veranstaltung als auch auf Berlin – ich finde diese Stadt einfach wahnsinnig faszinierend; das Foto des Titelbilds entstand übrigens bei einem meiner letzten Berlin-Besuche)!
Nächste Woche bin ich beruflich viel unterwegs und kann daher noch nicht genau sagen, welchen Themen ich mich widmen kann. Geplant ist zumindest weiterer Inhalt für “Purpur und Leere”. Euch auf jeden Fall einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche!
