Schreibtagebuch – KW28/2026

Die vergangene Woche war erneut geprägt von einigen beruflichen und privaten Terminen, dennoch habe ich wieder Fortschritte in meiner Fantasygeschichte um Kell und Sera gemacht. Unter anderem beflügelt von vereinzelten Rückfragen, ob ich nicht weiterhin Auszüge aus der Entstehung hier im Schreibtagebuch teilen will. Das Interesse freut mich sehr und ich kann da auf jeden Fall sagen: Ja, ich will die Entstehung dieses Textes wesentlich mehr in der Öffentlichkeit stattfinden lassen als die Arbeit an “Tod zur Spargelzeit”. Ich will versuchen, ob ich auf diese Art und Weise mehr Aufmerksamkeit schon von vornherein ziehen kann und ich so schon früh interessierte Leser gewinnen kann.

Daher prüfe ich aktuell auch die Plattform “Storyban” (hier klicken), auf welcher man als Autor seine Werke veröffentlichen und teilen kann und durch verschiedenste Mechanismen direkt Feedback bekommen und Updates rausgeben kann. Eben ein direkterer Kontakt als es mein Blog (bewusst) zulässt. Auch mit dem Fantasy-Genre bin ich dort sehr gut aufgehoben. Ich werde berichten, sobald sich dort mehr für mich tut.

Wo ich gerade schon “Tod zur Spargelzeit” erwähnt habe… dort stagniert es momentan. Mein Agenten-Kontakt wollte sich eigentlich vor anderthalb Wochen zurückmelden, hat es aber bis heute nicht getan. Ich werde ihm voraussichtlich heute Nachmittag mal anschreiben und nachfragen. Jedoch habe ich für mich den Entschluss gefasst, mein Exposé nun einem größeren Empfängerkreis zuzusenden. Und mal schauen, wer sich meldet. Bisher habe ich auf Grund der vorhandenen persönlichen Kontakte darauf verzichtet. Aber wenn sich nichts tut, schaue ich mich eben weiter um.

Was steht nun also in der kommenden Woche an? Erstens: Storyban für mich einrichten und in einem ersten Schritt meine Kurzgeschichten dort veröffentlichen. Zweitens: Kell und Sera weiter ihr Abenteuer bestreiten lassen. Drittens: Auf den Urlaub freuen – denn die letzten beiden Juli-Wochen werde ich (wie bereits im letzten Tagebuch angedeutet) viel Spazieren gehen (diverse Routen sind schon rausgesucht) und Schreiben (und mich u.a. um den Versand des Exposés an diverse Ansprechpartner kümmern). Ich freue mich sehr!

Euch einen guten Start in die Woche!

… achja, ich hatte ja einen weiteren Textauszug in Aussicht gestellt. Dieser folgt nun; es ist ein Abschnitt von Kell. Und zwar nach einem für ihn sehr eindrücklichen Ereignis. Viel Spaß!



Er hatte nicht geschlafen. Er hatte das Brot am Morgen neben Milas Kissen liegen sehen und ihr Gesicht, als sie es fand. Ein ungläubiges, vorsichtiges Aufleuchten, als traue sie dem Glück nicht; und er hatte gelächelt und gelogen, dass alles in Ordnung sei, und war zur Werft gegangen. Arbeit war ein Griff, an dem man sich festhalten konnte. Kell hielt sich fest.

Aber die untere Stadt roch an diesem Morgen anders. Sie roch nach einer stillen, kriechenden Unruhe.

“Sie sind seit der Frühschicht da”, sagte Ludo, der Schrottsammler. Er fing Kell an der Ecke ab, die Augen glänzend vor der Art von Neuigkeit, die man unbedingt weitergeben muss, um sie loszuwerden. “Konzernmiliz. Den ganzen Gerbergang abgeriegelt. Und eine Dame ist dabei, Brandt, die musst du gesehen haben, um es zu glauben. Die stellt Fragen. Ganz höflich. Und die Leute, mit denen sie redet-”, Ludo brach ab und rieb sich den Nacken, “ich weiß nicht. Sie scheint ihnen ganz schön den Kopf zu verdrehen.”

“Komisch”, sagte Kell, und seine Stimme klang beiläufig, während sich in seiner Brust jener kalte Ort meldete, von dem er seit gestern wusste, dass er ihn besaß. “Was meinst du mit: Kopf verdrehen?”

“Wie weggetreten.” Ludo zuckte die Schultern. “Als hätten sie vergessen, weswegen sie überhaupt reingegangen sind.”

Kell hätte gehen sollen. Jede vernünftige Schraube in ihm sagte: Geh zur Werft, senk den Blick und verschmelze mit der Menge. Stattdessen ging er, wie von einem Faden gezogen, den er nicht kappen konnte, den Umweg über den Gerbergang. Nicht hinein, das nicht, aber bis zu der Stelle, wo man von der Sektorenstraße aus in die Absperrung sehen konnte.

Und da war sie.

Sie stand mitten im Gang, dort, wo in der Nacht der Mann zu Staub geworden war, und die grauen Uniformen der Konzernmiliz hielten Abstand zu ihr, als umgäbe sie eine Zone, die man besser nicht betrat. Sie war hoch und schmal und in ein Gewand von einem so tiefen Violett gekleidet, dass es im Zwielicht fast schwarz wirkte, und ihr Gesicht… Kell konnte nicht sagen, ob es das Gesicht einer Frau oder eines Mannes war, alt oder jung; es war eines jener Gesichter, an denen der Blick keinen Halt fand und wieder abrutschte. Was ihm blieb, waren Einzelheiten: Der linke Wangenknochen, unter dem die Haut nicht Haut war, sondern etwas Klares, Facettiertes, das das Bogenlampenlicht in feinen violetten Splittern zurückwarf. Wie ein Kristall, der aus dem Fleisch wuchs. Die Finger, die zu lang und zu still waren. Und die vollkommene, wartende Ruhe eines Wesens, das keine Eile kannte, weil es nie etwas verpasste.