Diese Woche war es endlich soweit: Das Gespräch mit der Literaturagentin hat stattgefunden. Gut dreißig, vierzig Minuten und ergiebiger, als ich erwartet hätte.
Zunächst das Wichtigste: Sie fand die Romanidee und die Handlung interessant. Das ist erst einmal gut und war mir auch wichtig zu hören. Vor allem als Signal, dass das, was ich mir da ausgedacht habe, zumindest nicht total an der Realität vorbeigeht. Gleichzeitig hat sie klar gesagt, was ich im Grunde auch schon wusste: “Tod zur Spargelzeit” ist spitz. Nicht nur Regionalkrimi (explizit kein Thriller!), sondern auch noch historisch, und das Ganze in einem Dorf, das außerhalb des Niederrheins kaum jemand kennt.
Ihre Empfehlung: Kleinverlage mit Lokalkolorit, die sich auf genau solche schmalen Genres spezialisiert haben. Das sei der Boden, auf dem ein Buch wie meins am ehesten Wurzeln schlagen könnte. Sie selbst habe da nicht die Expertise, aber möglicherweise ein Kollege in der Agentur. Sie will mir einen Kontakt herstellen und mir die Möglichkeit geben, meine Bewerbungsunterlagen, die ich auch an den Verlag gesendet habe, bereitzustellen.
Was mich darüber hinaus beschäftigt hat, war ihre Schilderung der aktuellen Lage im Verlagswesen. Verlage und Agenturen werden derzeit regelrecht geflutet mit KI-generierten Manuskripten. Eine zweistellige Anzahl am Tag, sagte sie, sei keine Seltenheit. Man kann sich vorstellen, was das für die Sichtung bedeutet: Vieles geht unter, was nicht ohnehin gerade gefragt ist. Und gefragt ist momentan vor allem, was auf BookTok und Bookstagram funktioniert: Dark Romance und Dark Fantasy. Die Plattformen geben inzwischen bei den meisten großen Publikumsverlagen den Takt vor, nicht mehr die Feuilletons. Für jemanden, der einen historischen Regionalkrimi in einem niederrheinischen Dorf geschrieben hat, ist das erst einmal ernüchternd. Aber es erklärt auch, warum der Weg über spezialisierte Kleinverlage vielleicht der klügere ist.
Eine Sache hat sie noch erwähnt, die ich so nicht auf dem Schirm hatte: Manche Agenturen (ihre eingeschlossen) arbeiten nicht nur als Literaturagenten, also als Vermittler zwischen Autor und Verlag, sondern auch als Verlagsagenten. In dieser Rolle vermitteln sie zwischen Verlag und Buchhandel. Wenn beides (Literatur- und Verlagsvertretung) aus einer Hand kommt, entsteht im besten Fall eine direkte Verbindung vom Autor bis ins Regal. Ich fand das als Einblick wertvoll, auch wenn es für mich im Moment noch weit weg ist und ich durchaus beim ersten Nachdenken auch eine Menge Interessenskonflikte konstruieren könnte.
Insgesamt bin ich mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch gegangen! Die Einschätzung war nüchtern, konkret und nachvollziehbar. Ich weiß jetzt besser, wo ich stehe und wohin ich schauen muss. Das ist mehr, als ich von einem kostenlosen Erstgespräch erwartet hätte.
Jetzt heißt es: Auf den Kontakt warten und schonmal ins Konzept passende Verlage recherchieren. Euch eine angenehme Woche!
