Wie in der letzten Woche geschrieben, stand dieses Wochenende ganz im Zeichen meines Besuches auf der Frankfurter Buchmesse 2026. Daher wird das hier diese Woche weniger ein klassisches Schreibtagebuch, sondern ein Erlebnisbericht!
09:30 – Krimi und Thriller
Der erste Weg führte mich in Halle 5 zu den Krimis und Thrillern. Das war durchaus überwältigend. Nicht wegen der Menschen, um die Zeit ging es noch, sondern wegen der Masse an Verlagen, Büchern, Bühnen, etc. Alles in dem Genre, wo ich mich selbst ja sehr wohl fühle. Krimi-Reihen, von denen ich nie gehört habe, Verlage, die ich nicht kannte, und dazwischen aber dennoch viel Bekanntes. Es ist eine Sache, zu wissen, dass jedes Jahr tausende Krimis erscheinen. Es ist eine andere, wenn man es durch solche Events dann auch mal wirklich ansatzweise begreift. Ich habe mir dort übrigens den achten Band der Sneijder/Nemetz-Reihe von Andreas Gruber mitgenommen (“Todesrache”), das bot sich an, da ich da eh weiterlesen will.

10:00 – Colson Whitehead auf der SZ-Bühne
Ein Highlight des Tages war auch in Halle 5. Ich habe auf der Bühne der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Colson Whitehead gehört. Es ging um den Abschluss seiner Harlem-Trilogie, “Cool Machine”. Mein Geständnis: Dass das überhaupt eine Trilogie ist, habe ich erst heute erfahren. Den ersten Teil (“Harlem Shuffle”) habe ich gelesen und sehr gemocht. Man begleitet dort in den 1960ern den Möbelhändler Ray Carney, der gerne gesetzestreu bleiben würde, aber immer wieder (angestachelt durch seine Bekannten und Familie) in die Illegalität abdriftet.

11:00 – “Geschäftliches”
Danach habe ich mein eigentliches Vorhaben angepackt: Mit Menschen von kleineren Verlagen reden. Klingt hier so einfach, aber das war es nicht. Szenario: Man steht vor einem Stand und da sitzt jemand, der genau dafür da ist, mit Leuten wie mir zu sprechen. Und ich laufe mehrere Runden um die ganzen Stände und muss mich durchringen. Dann aber habe ich es doch gemacht! Und es war eigentlich sehr angenehm. Ich hatte fünf kurze Gespräche und bin mit vier Kontakten bei kleineren Verlagen rausgegangen, mit denen ich nach der Messe weiterreden kann. Allerdings kein Durchbruch, niemand hat nach dem gesamten Manuskript gefragt. Aber alle vier waren freundlich, offen und bereit, über ihr Programm, ihre Nischen und die Frage zu sprechen, was bei ihnen überhaupt passt. Und immer gab es den Hinweis: Man sollte sich vorher bei den Agenten, Verlegern, etc. melden und mit festen Terminslots auf die Messe gehen. Die meisten arbeiten ja durchgetaktet durch und haben nebenbei schlicht keine Zeit. Gut, mache ich dann beim nächsten Mal.

Nicht geklappt hat dagegen das Treffen mit meiner Lektorin. Sie war nur an den exklusiven Fachbesucher-Tagen auf der Messe, was ich aber vorher von ihr wusste, insofern war es keine Enttäuschung.
12:15 – “druckfrisch” mit Denis Scheck
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk war auffällig stark vertreten, mit Bühnen, Kameras und vollem Programm. Ich habe mir eine halbe Stunde “druckfrisch” mit Denis Scheck angesehen. Er ist ein wenig ein Dampfplauderer, das muss man so sagen, aber unterhaltsam finde ich ihn. Sehr cool: Seine Tipps für das Lesejahr lagen als gedruckte Liste zum Mitnehmen aus, die man mitnehmen konnte.

Circa 13:00 – Cola und Shawarma
Mittagspause im Außenbereich, während der meine Stimmung ein wenig kippte. Etwa ab eins war das Besucheraufkommen nur noch erdrückend. Kein Flanieren mehr, sondern Schieben im Schritttempo, Stau an jeder Kreuzung, Schlangen, die irgendwo um eine Ecke verschwinden und deren Ende man nie sieht. Am schlimmsten war es da, wo Romantasy, Dark Romance und Mangas ausgestellt wurden. Die Menschendichte dort war wie auf der Gamescom an einem Samstag. Danach kamen mit etwas Abstand Krimi und Thriller sowie die großen Publikumsverlage.

14:00 – Geheimtipp: Internationale Halle
Die Rettung war die internationale Halle. Irgendwo zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Vietnam war immer ein Platz zum Sitzen frei. Während drei Hallen weiter Leute auf dem Boden lagerten, konnte man dort die Füße ausstrecken und den Rücken anlehnen. Ich habe dort ein wenig im Programm gestöbert. Dort habe ich noch ein paar Verkaufsstände rausgesucht, wo ich mir dann schließlich das oben erwähnte “Cool Machine” gekauft habe. Und ich habe eine Signierstunde entdeckt, die mich interessierte: Gregor Kartsios von den Rocketbeans!
14:45 – Wissenschaft und Technik
In Halle 4.1 habe ich ebenfalls ein wenig Zeit verbracht und mir ein paar Wissenschaftsverlage und deren Veröffentlichungen und Aboprogramm angeschaut. Ich war ja schließlich mehrere Jahre Abonnent der “Nature”, die allerdings wissenschaftliche Paper für Fachkundige veröffentlicht, wo mir der Zugang fehlt. Am Stand der “Spektrum der Wissenschaft” habe ich mir einige Ausgaben anschauen können und das scheint schon eher etwas zu sein, was mir zusagt.
15:30 – Signierstunde bei LAPPAN
Ab zum Meet and Greet mit Gregor! Ein kurzer Plausch, ein Foto, und sein aktuelles Gaming-Buch hat er mir signiert =).

16:00 – Aufbruch
Weil ich sichtlich müder wurde und mir die ganzen Menschenmassen sehr auf die Nerven gingen, habe ich mich entschieden, früh zum Hauptbahnhof aufzubrechen. Im Bahnhofsviertel habe ich dann noch ein Schnitzel mit “Frankfurter Grüne Soße” gegessen. Das war lecker. Auch wenn das Ambiente alles andere als schön war. Ich muss ehrlich sagen: Ich habe selten, wenn überhaupt, eine dreckigere Stadt als Frankfurt besucht und hatte auch selten so oft das Gefühl, gleich von einer maulenden, durch die Gegend wandernde, Gruppe von der Seite blöd angemacht zu werden. Ne, also das war alles andere als entspannt.

Fazit
Ich bereue meinen spontanen Besuch der Buchmesse nicht. Ich habe als begeisterter Leser einen guten Einblick in neue Romane, aktuelle Themen und Medien bekommen. Auch aus Sicht von mir als Autor hat sich das gelohnt: Raus aus der Komfortzone und neue Kontakte geknüpft. Mal schauen, was sich daraus entwickelt! Ich werde berichten.
Euch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche!
