Meine SuperStation ONE ist da!

Bestellt hatte ich die SuperStation ONE im Frühjahr: 200 Dollar für die Konsole, 55 Dollar Versand. Fünf Monate später meldete sich DHL Express mit der Rechnung für die Einfuhrabgaben: Rund 60 Euro, bitte vor der Zustellung bezahlen. Damit lag die Konsole bei etwa 300 Euro, bevor ich sie überhaupt einmal eingeschaltet hatte. Wie so ein FPGA die alte Hardware nachbaut und warum mich das überhaupt interessiert, habe ich an anderer Stelle schon aufgeschrieben. Hier geht es nun um die ersten drei Stunden mit dem Gerät.

Dass Sendungen von außerhalb der EU verzollt werden, weiß ich. 60 Euro sind kein Drama, aber sie treffen einen an einer empfindlichen Stelle: In den Tests, die ich vor dem Kauf gelesen habe, gilt die SuperStation ONE als der günstige Einstieg in die FPGA-Welt, verglichen mit einem selbstgebauten MiSTer oder den Geräten von Analogue. Mit Versand und Zoll ist von diesem Preisvorteil nicht mehr viel übrig.

Wer also überlegt, sich das Gerät zu holen, sollte die Abgaben von Anfang an einrechnen. Sonst ist der erste Ärger schon da, bevor das Paket überhaupt aufgeht.

Eine Sache muss ich DHL Express allerdings lassen: Die Abwicklung war angenehm. Die Aufforderung kam per WhatsApp, mit Link und der Möglichkeit, den Betrag digital zu bezahlen, unter anderem per PayPal. Mein erster Gedanke war natürlich, dass mich hier gerade jemand abfischen will, und ich habe die Nachricht liegen lassen. Als kurz darauf dieselbe Aufforderung per Mail kam, habe ich es geglaubt und in zwei Minuten am Handy erledigt. Das hatte ich auch schonmal anders: Zollgebühr passend in bar bereithalten, weil der Zusteller nicht wechseln kann, und wehe, man ist nicht zu Hause…

Karton auf, Konsole raus. Kompakt, grau, eine Verbeugung vor der ersten Playstation. Daneben liegt ein USBC- und ein HDMI-Kabel. Sonst nichts. Ich habe zweimal in der Verpackung gewühlt, weil ich dachte, ich hätte das Netzteil übersehen. Habe ich nicht, es liegt schlicht keines bei. Die Konsole will 5 Volt bei mindestens 2 Ampere, alternativ ein USB-C-Netzteil mit Power Delivery, und in der offiziellen Anleitung wird man ausdrücklich gewarnt, bloß keinen Billigkram zu verwenden. Der Rat ist ja richtig. Er nützt mir am Samstagnachmittag nur wenig, wenn in meiner Schublade ausschließlich Ladegeräte liegen, die entweder zu stark oder zu schwach sind oder an Geräten hängen, die ich dafür nicht abklemmen möchte.

Also fix los und Netzteil besorgen. Das ärgert mich. Bei einem Gerät, das mich am Ende fast 300 Euro gekostet hat, gehört ein passendes Netzteil in den Karton. Der Teil, der mich noch mehr Nerven gekostet hat, kam danach. Meine Erwartung war: Konsole an den Fernseher, einschalten, Menü, Spiel aussuchen. So kennt man das von den Mini-Konsolen der großen Hersteller, und so ist es hier nicht.

Zuerst musste die SD-Karte neu geflasht werden. Also: Karte raus, Wohnung für SD-Kartenleser auf den Kopf stellen und ab an den Rechner, aktuelles Installer-Image aus dem GitHub-Repository von Retro Remake laden, mit balenaEtcher auf die Karte schreiben, Karte zurück in die Konsole, einschalten und warten, bis der Installer durchgelaufen ist und sich das System selbst neu startet. In der Anleitung steht dazu der schöne Satz, dass man den Vorgang halt einfach wiederholen soll, falls die Konsole danach nicht in MiSTer startet.

Dazu kamen die Kleinigkeiten, die in Summe den Nachmittag gefressen haben. BIOS-Konfigurationen prüfen, aktuelle Versionen der FPGA-Cores laden, etc. Für die Ersteinrichtung braucht man z.B. eine USB-Tastatur, weil sich das Menü sonst kaum bedienen lässt. Das WLAN richtet man über ein Skript im Menü ein, nicht über eine Oberfläche. Und dann steht man vor der Frage, wie die Spiele überhaupt auf das Gerät kommen: Karte jedes Mal herausziehen oder SMB einrichten und die Dateien via Netzwerk hinüberschieben. Lange Suche nach den Default-Authentifizierungsdaten inklusive.

Mein Lieblingsstolperstein: Die originalen PlayStation-Controller, für die dieses Gerät ja praktisch gebaut ist, funktionieren nur innerhalb des PS1-Cores. Im Systemmenü sind sie außen vor. Dort navigiert man mit Tastatur oder einem zusätzlichen Pad per USB oder Bluetooth. Wer seine alten Memory Cards nutzen will, muss außerdem in den Einstellungen den Eingang von DualShock auf SNAC umstellen. Vorher passiert nichts. Man sitzt also davor, steckt die Karte um, zieht sie wieder heraus, wechselt den Slot und wundert sich, warum die Konsole das Ding ignoriert. In der Dokumentation steht das alles. Über die Gliederung dieser lässt sich aber sicherlich streiten.

Trotzdem hat sich der ganze Frust gelohnt! Es folgte ein Nostalgie-Kick. Zuletzt gespielt hatte ich auf einer Playstation 1 mit Original-Peripherie mit circa elf oder zwölf Jahren, an einer Konsole am Röhrenfernseher bei (natürlich) meinen Eltern. Die Eingabe sitzt sofort, alle ausprobierten Spiele funktionieren ohne Probleme und super flüssig. Das Bild steht ruhig, und das Pad funktioniert einwandfrei.

Würde ich das nochmal kaufen? Ja, aber mit anderen Erwartungen an die Einrichtung. Die SuperStation ONE ist ein Liebhaberstück für Leute, die Spaß daran haben, an einem Gerät so lange herumzukonfigurieren, bis es genau so läuft, wie sie es wollen. Für die ist sie großartig, und im Vergleich zu einem selbstgebauten MiSTer-Setup nimmt sie einem trotz allem eine Menge Arbeit ab (sagt zumindest das Internet :D).