Schreibtagebuch – KW31/2026

Die Hitze ist diese Woche wieder zurückgekehrt und sie kotzt mich nur noch an. Ich schlafe schlecht, träume schlecht und bin tagsüber müde. Ich kann mich nicht wirklich länger kreativ beschäftigten und ich sieche einfach vor mich hin. Bei den Temperaturen ist Spazierengehen höchstens am Abend sinnvoll. So habe ich diese Woche größtenteils meinen Resturlaub mit der Lektüre von “Dungeon Crawler Carl” (solala), dem Sortieren meines Kellers, Videospielen und ein wenig Schreiben verbracht.

Beim Schreiben habe ich sowohl “Purpur und Leere” weiter vorangetrieben (gleich gibt es wieder einen Auszug) als auch ein Call of Cthulhu Szenario basierend auf dem Amphi Festival fertiggestellt. Gespielt wird es mit dem Cthulhu NOW Regelwerk. In den kommenden Tagen werde ich mich mal um eine Terminabstimmung mit den weiteren Amphi-Festival-Gängern bemühen. Wenn es gut ankommt, kann ich hier vielleicht ein wenig Material dazu zur Verfügung stellen.

Über die kommende Woche will ich noch nicht all zu viele Voraussagen machen, da nach zwei Wochen nun das Arbeitsleben wieder startet. Und das auch noch passend zu einem Monatswechsel – da warten immer besonders viele Aufgaben…

Euch einen schönen Sonntag und viel Spaß mit dem neuen Auszug meiner Fantasy-Novelle!



Die Gondel schaukelte durch die Dunkelheit über dem Abgrund, und Sera lag still und atmete und wartete, bis der Schmerz von einem Brand zu einem Pochen abklang. Tief unter ihr schimmerte das Viol-Wasser der Kluft. Die Wunde des Kontinents. Da unten leben Sachen, flüsterte eine Stimme in ihr, uralt und kindlich, und sie wusste nicht, woher sie kam. Sie hatte das nie gewusst. Aber sie kroch nicht an die Brüstung, um hinunterzusehen. Sie hatte gelernt, dem Abgrund nicht ins Gesicht zu starren.

Als die Gegenseite aus der Nacht auftauchte, stockte Sera der Atem: Das mächtigste Bauwerk des Kontinents war immer wieder beeindruckend. Weit im Süden, wo die Kluft sich zu einer ungeheuren Breite weitete, spannte sich etwas über den Abgrund, das mit “Damm” stark untertrieben beschrieben war. Es war ein eigenes Land aus Eisen und Stein, überzogen von der endlosen Lichterkette der Bogenlampen. Dammstadt. Und ganz in seiner Mitte, winzig in der Ferne, brannte ein einzelnes Licht, starkes Licht; dort, wo zwei Reiche aneinanderstießen.

Dann traf ein Gedanke Sera mit voller Wucht. Ein Sommer. Ein Gitter. Eine Hand, die durch Eisenstäbe griff, und ein Augenblick vollkommener, warmer Stille, den sie sich, so oft sie es auch versuchte, nie hatte zusammenreimen können. Sie war einmal hier gewesen. Als Kind. Bevor der Dom sie geschliffen hatte, bis sie vergaß, dass sie je etwas anderes hatte sein wollen als sein Werkzeug. Sie hatte damals jemandem etwas versprochen. Sie wusste nicht mehr, wem. Sie wusste nicht mehr, was.

Die Gondel senkte sich der Station entgegen, und Sera zog den Ärmel über den kristallenen Fleck an ihrem Handgelenk und richtete sich auf. Vor ihr lag Dammstadt, das einzige Loch im Netz der Akademie, das sie kannte. Sie war frei. Zum ersten Mal seit langer Zeit in ihrem Leben gehörte sie niemandem als sich selbst.