Quo vadis, Formel 1?

Dieses Woche fährt die Formel 1 in Belgien in Spa-Francorchamps (ja, das Titelbild zeigt nicht Spa), aka “Die Ardennenachterbahn” oder das “Wohnzimmer des Motorsports”. Eau Rouge und Blanchimont: Das sind Namen, bei denen jedem Rennsportfan das Herz schneller schlägt. Die bisherigen freien Trainings und das Qualifying lassen bei mir aber ein schlechtes Gefühl zum aktuellen Zustand der Formel 1 überlaufen.

Die Pole-Runde 2026 war fast vier Sekunden langsamer als im Vorjahr. Vor der Bruxelles-Kurve fehlen den Autos rund 50 km/h auf die Vorjahreswerte. In Blanchimont bricht die Geschwindigkeit unvermittelt von knapp 320 auf 270 km/h ein. Nicht weil der Fahrer vom Gas geht sondern weil sein Motorenmapping das vorgibt. Die Batterie ist für die Strecke zu klein dimensioniert (wie schon bei vielen Hochgeschwindigkeitsstrecken) und der Verbrenner allein liefert noch rund 540 PS.

Mein größtes Problem mit dem 2026er-Reglement ist nicht die reine Rundenzeit. Es ist, dass die Fahrer noch weiter in den Hintergrund treten. Wo früher Präzision und Erfahrung über eine Kurve entschieden, entscheidet heute eine Software-Strategie darüber, wann rekuperiert und wann geboostet wird. Kurven werden Vollgas durchfahren, aber ohne Herausforderung, weil das System passend regelt. Wenn selbst die Fahrer sagen, dass niemand mehr seine Qualifying-Runde genießt, dann ist das kein Detailproblem. Dann ist der Kern des Sports beschädigt.

Aber ja: Das Reglement produziert Überholmanöver; viele sogar. Das ständige Hin und Her (einer boostet, der andere ist leer, eine Gerade später umgekehrt) sieht ein-, zweimal spektakulär aus. Danach ist es lächerlich. Positionswechsel als Nebenprodukt des Energiemanagements.

Was mich aber am aller aller meisten aufregt: Die Formel 1 weiß um ihr Problem und kaschiert es in der Übertragung. In Spa war das Muster unübersehbar. Kaum passiert ein Auto die Eau Rouge, schneidet die Regie von der Onboard- auf die Außenperspektive, gerne ohne Onboard-Sound, damit man das Einbrechen der Drehzahl nicht hört. Gerne ist der Sound auch einige Sekunden versetzt. Topspeed-Einblendungen, seit Jahrzehnten Standard, fehlen plötzlich. Der Batteriestand wird so gut wie nie gezeigt. Selbst die Sky-Kommentatoren wunderten sich live in der Sendung, warum man nicht einfach an der Onboard-Kamera dranbleibt — und die Antwort ihres Experten war so simpel wie entlarvend: Weil man den Geschwindigkeitsverlust nicht zeigen will. Die Formel 1 bestreitet natürlich jede Absicht. Alle Onboards seien einzeln abrufbar. Gleichzeitig kam aus dem F1-Hauptquartier die Bitte an die Teams, das eigene Produkt doch bitte nicht schlechtzureden.

Und ja, ich weiß: Die Formel 1 war schon immer eine Ingenieursmeisterschaft, Effizienz ist die Zukunft, und war schon immer Vorreiter von Technologien, die es später in Straßenautos schafften. Aber wenn das Reglement schon im ersten Jahr so offensichtlich korrigiert werden muss, ist das kein Zeichen von Weitsicht, sondern das Eingeständnis eines Konstruktionsfehlers. Ich hoffe sie haben Einsicht und hören auf die Fahrer bei weiteren Anpassungen.