Schreibtagebuch – KW20/2026

Diese Woche mal wieder eine Vorwarnung gleich am Anfang: An meinen Romanen, Kurzgeschichten und Rollenspielentwürfen habe ich kaum etwas getan. Wer also auf Neues aus dem Spargelverse, von Rudi Fleuren oder aus Violet Fate hofft, den muss ich vertrösten. Was diese Woche stattfand, fand am “Schreibtisch neben dem Schreibtisch” statt.

Konkret habe ich diese Woche meinen Haushalt endgültig von Microsoft befreit. Mein Retro-Laptop und der Desktop-Rechner laufen ab sofort auf CachyOS, einer Arch-basierten Linux-Distribution. Zwei, drei Abende sind dabei draufgegangen: Pakete suchen, Konfigurationen anpassen, hier und da etwas reparieren, das eigentlich gar nicht kaputt war. Aber jetzt sitzt alles und läuft so, wie es soll.

Für dieses Tagebuch ist das natürlich eigentlich ein Nebenschauplatz. Mein gesamtes Schreib- und Autoren-Ökosystem (Scrivener, Plotting-Tools, die Manuskriptordner, die Recherche, die Backup-Pfade, die kleinen Skripte, die Skizzen, Notizen, etc.) liegt auf meinem MacBook. Und das wird sich, solange die Hardware mitspielt (und das wird sie noch eine Weile), auch nicht ändern.

Trotzdem fängt mein Kopf in solchen Situationen unweigerlich an, im Hintergrund mitzudenken. Wie würde ich dieses Ökosystem eigentlich auf Linux abbilden, wenn ich irgendwann müsste? Welche Software hätte ein direktes Pendant, wo bräuchte es Alternativen, wo wäre der Wechsel vielleicht sogar ein Gewinn? Wie würde ich meine Dateien übertragen und strukturieren? Was mache ich mit den Backup-Automatismen, die mir auf dem Mac inzwischen so unauffällig dienen, dass ich sie kaum noch wahrnehme? Antworten habe ich keine fertigen.

Fest steht: Das Wiederentdecken von Linux macht mit eine Menge Spaß! Meine letzten ernsthaften Erfahrungen gehen auf mein Studium zurück; also auf die Jahre 2006 bis 2011. Das ist anderthalb Jahrzehnte her. In dieser Zeit hat sich eine ganze Menge verändert: Wo man früher noch Konfigurationsdateien mit dem Vorschlaghammer bearbeitet hat, klickt man heute durch verständliche Einrichtungsassistenten. Wo damals jede Hardware-Erkennung ein Glücksspiel war, läuft heute alles weitgehend einfach. Und gleichzeitig ist genug von dem Bastel-Charakter geblieben, den man kennt. Vor allem, wenn man sich mit Gaming unter Linux beschäftigt.

Was das mit Schreiben zu tun hat? Vielleicht mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Ein Werkzeug, mit dem man sich wohlfühlt, an dem man gerne sitzt, das einem nicht im Weg steht, ist beim Schreiben mindestens so wichtig wie der richtige Stuhl oder ein passendes Getränk. Und wenn man weiß, dass die Infrastruktur drumherum stabil ist, hat der Kopf einen Tab weniger offen. Insofern ist diese Woche zwar keine Schreibwoche, aber durchaus eine, die dem Schreiben in den kommenden Monaten zugutekommen wird.

Ein kleiner Lesetipp passend zum Thema: Andreas Brandhorst (deutscher Sci-Fi-Autor und u.a. Übersetzer der Scheibenwelt-Romane) schreibt in seinem Blog über die Entwicklung seines Heimarbeitsplatzes über die letzten Jahre und Jahrezehnte (hier klicken).

Ein paar Worte zum Ausblick: Nächste Woche wird das Schreibtagebuch voraussichtlich leicht verspätet kommen. Mein Terminkalender ist eng getaktet und ich werde unterwegs sein. Voraussichtlich wird der Eintrag eher mit Fotos daher kommen als mit langen Texten.

Und dann steht am Dienstag nach Pfingstmontag mein Gespräch mit dem Agentenkollegen für Kleinverlage an. Darauf bereite ich mich schon mental vor. Das wird ganz sicherlich ein Thema für eine der kommenden Ausgaben.

Euch einen schönen Sonntag!