Schreibtagebuch – KW19/2026

Diese Woche eine Offenlegung gleich zu Beginn: An meinen Romanprojekten habe ich nichts gemacht. Kein Wort, keine Recherche. Stattdessen war ich eine ganze Woche lang in einer anderen Ecke meines Schreibtischs unterwegs: In Violet Fate, meinem eigenen Rollenspielsetting.

Was dabei herausgekommen ist, ist eine kompakte Weltbeschreibung und das zusammengeführte Regelwerk. Beides in einem Zustand, in dem man damit tatsächlich an einen Tisch gehen und losspielen kann. Ein Schnellstart, im engen Sinne des Wortes. Zu finden ist es nun online (hier klicken). Wer Lust hat, lädt sich die Dokumente herunter und probiert es aus. Genau dafür sind sie da!

Die Welt zu Violet Fate trage ich jetzt schon einige Zeit mit mir herum. Sie ist über die Jahre immer dichter geworden, hat mehr Fleisch bekommen, mehr Ecken, mehr Spannungen. Wenn ich Kurzgeschichten oder Abenteuer in ihr schreibe, fühle ich mich inzwischen sehr zuhause. Das ist ein anderes Gefühl als bei einem Krimi am Niederrhein, aber kein geringeres.

Beim Regelsystem war der Weg deutlich kurviger. Ich habe in den letzten Jahren einiges ausprobiert, gewechselt, wieder gewechselt, eigene Sachen gebastelt, verworfen, Playtests gefahren. Mit Powered by the Apocalypse bin ich nun an einem Punkt angekommen, an dem ich das Gefühl habe: Hier passt zusammen, was zusammengehört. Mein bevorzugter Spielstil (erzählerisch, getrieben von Konsequenzen statt von Zahlenspielen) und die Welt von Violet Fate greifen unter diesen Regeln auf eine Weise ineinander, wie es mir sehr gut gefällt. Das ist ein schönes und erleichterndes Gefühl. Und es ist der Grund, warum ich die Dokumente jetzt überhaupt herausrücke.

Ein paar Worte zum Format: Was Ihr findet, ist textlastig. Sehr textlastig. Keine Illustrationen, kein hübsches Layout, keine Karten in Druckqualität. Das ist Absicht. Ich möchte mir eine saubere Veröffentlichung mit Grafiken, ordentlichem Satz (vielleicht über ein Crowdfunding) ausdrücklich offenhalten. Wer den Schnellstart liest, soll genug an die Hand bekommen, um spielen zu können. Aber das schöne Buch oder Heft dazu, das soll ein eigenes Projekt für die Zukunft bleiben.

Wenn Ihr es ausprobiert: Ich freue mich über jede Rückmeldung. Was funktioniert am Tisch? Wo hakt es? Welche Fragen tauchen auf, die ich offenbar noch nicht klar genug beantwortet habe? Solche Hinweise sind für die nächste Iteration Gold wert.

Und ein letzter Punkt, den ich nicht unterschlagen will: In zwei Wochen ist mein Gespräch mit dem Agentenkollegen für Kleinverlage. Mit jedem Tag, den dieser Termin näher rückt, freue ich mich ein bisschen mehr darauf. Die Vorfreude steigt.

Euch einen schönen Sonntag!