Kein Katzenjammer

“Mewgenics” ist gerade überall. Metacritic 90%, Steam-Reviews bei 91% positiv, über eine Million verkaufte Exemplare in der ersten Woche, und in den einschlägigen Foren und auf YouTube überschlagen sich die Leute mit Superlativen. Ich habe das Spiel ebenfalls gespielt, und ich finde es ganz interessant. Gut sogar. Aber nicht so absurd genial, wie gerade alle schreiben.

Die Grundidee: Man züchtet Katzen, stellt aus ihnen Vierergruppen zusammen, weist ihnen Kampfklassen zu und schickt sie auf rundenbasierte Roguelite-Abenteuer durch prozedural generierte Gebiete. Überlebende kehren mit Beute und Erfahrung nach Hause zurück, wo sie sich paaren und ihre Fähigkeiten, Mutationen und Stats an die nächste Generation weitergeben. Die Toten werden durch frischen Zuwachs ersetzt. Dazu kommen NPCs in der Nachbarschaft, denen man Katzen “spenden” kann, um Upgrades fürs Haus freizuschalten.

Das Ganze ist angesiedelt im fiktiven Boon County, einer heruntergekommenen Gegend irgendwo in den amerikanischen Sechzigern, und wird musikalisch von einem Soundtrack begleitet, der richtig gut ist – Rockabilly bis Jazz, eigens komponiert und mit passenden Texten.

Das Kampfsystem ist für mich der beste Teil des Spiels und hier verstehe ich den Hype. Auf einem isometrischen Gitter steuert man seine vier Katzen in rundenbasierten Gefechten, die an XCOM erinnern, aber durch die Zufälligkeit der Fähigkeiten eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Jede Katze bekommt bei jedem Anlauf neue, zufällige Fähigkeiten und Passives, was bedeutet, dass man nie die gleiche Strategie zweimal fahren kann. Man muss improvisieren, Synergien im Moment entdecken und mit dem arbeiten, was man bekommt.

Aber (und das ist ein großes Aber): Die andere Hälfte des Spiels (das Katzenmanagement, die Zucht und die Hausverwaltung) ist für mich eine Qual. Katzen selektieren, deren Stats prüfen, entscheiden, wer bleibt, wer gespendet wird, wer mit wem gepaart wird, Katzenkot wegklicken, Möbel umstellen… das alles erfordert eine ermüdende Menge an Klicks und Menüarbeit, die sich unnötig und nicht durchdacht anfühlt.

Und dann der Humor. Der ist natürlich Geschmackssache. Aber mir ist das alles zu zuviel an Fäkal- und Körperhumor, der irgendwann von provokant zu ermüdend wechselt.

Alles in allem: Mewgenics ist ein gutes Spiel. Kampfsystem und Soundtrack sind weltklasse, der Rest zieht alles ein gutes Stück runter.