Hop ist ein kleiner Frosch, der mit seiner überdimensionalen Zunge durch eine knallbunte Welt schwingt. “Big Hops” vom Indie-Studio Luckshot Games ist seit Anfang des Jahres auf dem Markt, und ich habe es auf der Switch 2 gespielt.
Die Prämisse ist denkbar simpel: Hop wird von einem mysteriösen Geist namens Diss aus seinem Zuhause im Wald entführt und muss sich durch verschiedene Welten kämpfen, um Luftschiffteile zu sammeln und den Weg zurück zu seiner Familie zu finden. Das klingt nach Standard-Plattformer-Kost, und das ist es im Grunde auch.
Aber was Luckshot Games aus dieser einfachen Grundlage macht, hat mich sehr unterhalten. Denn “Big Hops” steckt bis zum Rand voller frischer Ideen. Das Herzstück des Spiels ist das Bewegungssystem. Hop kann springen, rollen, tauchen, an Wänden entlanglaufen, frei klettern (inklusive Ausdaueranzeige im Zelda-Breath-of-the-Wild-Stil), auf Seilen balancieren, an Stangen schwingen und über Schienen grinden. Das allein wäre schon eine solide Grundlage, aber dann kommt Hops Zunge ins Spiel. Diese lange, klebrige Froschzunge funktioniert als Greifhaken, mit dem man sich an Punkten festklammern und wie Spider-Man durch die Gegend schwingen kann. Man kann damit Hebel umlegen, Kisten öffnen, Gegenstände aufsammeln und sogar Schlösser knacken. Die Zunge fühlt sich so natürlich an, dass man nach einer halben Stunde vergisst, dass andere Plattformer dieses Werkzeug nicht haben. Sie verändert die Art, wie man sich durch die Level bewegt, grundlegend und sorgt dafür, dass sich “Big Hops” von der Konkurrenz abhebt.
Und dann wären da die Gemüsesorten. Überall in der Spielwelt wachsen verschiedene Früchte und Pflanzen an Bäumen, die Hop aufsammeln und im Rucksack verstauen kann. Pilze werden zu Sprungpads, wenn man sie auf den Boden wirft. Eicheln lassen Kletterpflanzen an Wänden wachsen. Ballonfrüchte erzeugen schwebende Plattformen. Kakteen spannen Seilbrücken über Abgründe. Ölige Kugeln schaffen Ankerpunkte für die Zunge. Und das ist nur eine Auswahl. Jede dieser Pflanzen eröffnet neue Möglichkeiten, die Level zu durchqueren, und das Schöne daran: Man kann sie auch in Bereiche mitnehmen, für die sie eigentlich nicht vorgesehen waren.
Die vier Biome – Wald, Wüste, Meer und Gebirge – sind abwechslungsreich gestaltet. Jede Welt erzählt ihre eigene, in sich abgeschlossene Geschichte mit eigenen Bewohnern, Konflikten und Nebenmissionen. Es sind nicht nur die Schauplätze, die sich unterscheiden, sondern auch die Spielmechaniken: Jedes Biom bringt neue Gemüsesorten und damit neue Fortbewegungsmöglichkeiten mit sich. Das hält das Spiel über die gesamte Laufzeit von gut zehn bis zwölf Stunden frisch und sorgt dafür, dass man immer das Gefühl hat, etwas Neues zu entdecken. Dazu kommt, dass jede Welt visuell ein echter Hingucker ist. Die knalligen, leicht cel-shaded Farben und das charmante Charakterdesign sorgen für eine Optik, die gute Laune macht.
Jetzt kommt das Aber: “Big Hops” ist nicht in jedem Aspekt bis auf den letzten Pixel poliert. Die Steuerung ist in den allermeisten Situationen hervorragend, aber es gibt Momente – insbesondere bei einigen der physikbasierten Mechaniken und bestimmten Items wie den Goo Balls – in denen es etwas fummelig wird. Die Kamera macht gelegentlich Ärger, besonders wenn man zwischen Wänden hin- und herspringt. Und das Leveldesign, so kreativ und ideenreich es auch ist, hätte an manchen Stellen etwas straffere Führung vertragen können.
Zu guter Letzt ist das Spiel ein ziemlich beachtliches Indie-Projekt. Luckshot Games ist ein kleines Studio, “Big Hops” wurde über Kickstarter finanziert und über sechs Jahre entwickelt.
Für mich ist “Big Hops” einer der positiven Überraschungen des noch jungen Jahres. Kein perfektes Spiel, aber eines, das so viele kreative Ideen hat und so viel Spaß macht, dass die kleinen Macken schnell in den Hintergrund treten. Wer 3D-Plattformer mag, sollte dem kleinen Frosch eine Chance geben. Auf der Switch 2 macht Hop jedenfalls eine ziemlich gute Figur.
