Ich spiele nur äußerst selten auf meinem Smartphone oder Tablet Spiele. Schach ist meist das höchste der Gefühle. Auf Grund von Motion Sickness kann ich unterwegs meist sowieso nicht auf einen Bildschirm schauen und auch insgesamt ist Spielen für mich eher ein Unterhaltungserlebnis, was man am besten auf einem großen Bildschirm genießt. Es gibt im Grunde nur ein Studio, dessen Spiele ich auf Smartphone gespielt und genoßen habe (often weil sie auf anderen Plattformen auch nicht vorhanden sind): inkle. Während die meisten Mobile-Games entweder mit aggressiven Monetarisierungsstrategien nerven oder sich wie abgespeckte Konsolen-Ports anfühlen, schafft es inkle immer wieder, Titel zu entwickeln, die sich auf dem Touchscreen völlig natürlich anfühlen und hervorragend funktionieren. Das Vorgestern erschienene “TR-49” ist da keine Ausnahme.

Nach mehreren “Sorcery!”-Spielen, “Overboard” und meinem bisherigen Favoriten “80 Days” reiht sich “TR-49” in die Reihe der textlastigen, story-driven Rätselspiele ein. Oder wie es inkle selbst nennt: Narrative deduction games. Das Spiel ist im Kern ein Archiv-Rätsel, ein literarisches Puzzle. Ein Spiel, das sich auch für fünf Minuten hier und zehn Minuten da eignet und trotzdem eine Tiefe bietet, die ich sonst nur von nicht-mobile Spielen kenne.

Die Steuerung ist simpel: Man tippt Codes ein, blättert durch Archive, verbindet Archivkürzel zu Buchtiteln und schaltet so neue Einträge frei. Immer auf der Suche nach dem ominösen einen Buch, was unser mysteriöser Auftraggeber haben will. Dieser ist uns übrigens über Funk zugeschaltet und bewacht den Eingang einer Kirche in der wir in einem alten Keller die wundersame Archivmaschine bedienen. Klingt verwirrend? Ist es aber nicht. Die Haptik, das Sounddesign, die Art, wie die Geschichte sich langsam entfaltet, das alles ist so durchdacht, dass es sich anfühlt, als hätte man ein kleines, interaktives Buch in der Hand.

Natürlich ist “TR-49” nicht für jeden etwas. Wer Action oder schnelle Belohnungen sucht, wird hier enttäuscht. Und ja, die ersten Minuten können verwirrend sein, wenn man nicht weiß, wonach man suchen soll. Aber genau das ist auch der Reiz: inkle traut seinen Spielern etwas zu. Es gibt keine Handhaltung, keine Tutorial-Pop-ups, die einem alles vorkauen. Stattdessen wird man belohnt, wenn man sich Zeit nimmt, nachdenkt, Verbindungen herstellt. Lohnt sich! 🙂
