Ich war vor einigen Tagen mal wieder in, auf und um eine Burg unterwegs. Zusammen mit Freunden war ich in der Altstadt von Krefeld-Linn. Der Ort, in dem der Protagonist meines Romans seine Kindheit verbracht hat, bevor es ihn noch weiter auf das Land des Niederrheins verschlagen hat. Krefeld trägt den Beinamen “Samt- und Seidenstadt”, war bekannt für die Verarbeitung und den Handel von Textilien. Das thematisch zugehörige Textilmuseum war leider geschlossen, jedoch hatte der Stadtteil mit Burganlage und Archäologischem Museum auch so genug zu bieten.

Schon der Weg durch Linn, vorbei am Wassergraben und unter den Bäumen, war ein schöner Auftakt. Der Ort lebt von diesem Ensemble: Mittelalterliche Burg, barockes Jagdschloss, daneben das Archäologische Museum – alles dicht beieinander, eingebettet in eine Parklandschaft. Die Burg selbst hat mich als Bauwerk begeistert – Backstein, Türme, der Ring aus Wasser und (moderne) Brücken über die Burggräben.



Drinnen blieb ich dagegen etwas zwiegespalten: Die Ausstellung fühlt sich stellenweise lieblos dahingestellt an, mehr Abfolge als Erzählung, als hätte man die schönen Stücke nicht ganz zu Ende “in Szene” gebracht. Für meinen Geschmack gibt es auch zu wenig einordnende Infotafeln. Ich würde sagen: Architektonisch großartig, kuratorisch mit Luft nach oben.


Anders das Jagdschloss: Hier ist der rote Faden erkennbar und es gibt viele Infotafeln. Die Räume sind sorgfältig eingerichtet, vom Stadtzimmer bis zur Bauernküche, und die Sammlung mechanischer Musikinstrumente – bzw. insgesamt der Fokus auf die dort eingekehrten Musiker und ihre Arbeiten – gibt ein stimmungsvolles Bild. Allerdings habe ich hier was zu meckern: Die Museumswärterin war so grummelig, dass es kurzfristig die Stimmung drückte; man musste befürchten, dass die Kinder bei einer unabsichtlichen Berührung von Ausstellungsstücken (mittelalterlich passend) die Hand abgehackt bekommen.


Im Archäologischen Museum war das Personal dann wieder das komplette Gegenprogramm: Offen, freundlich, auskunftsfreudig – und die Funde, vom “Alltagsding” bis zum Blickfang, haben mich wirklich interessiert. Trotzdem ist das alles insgesamt ziemlich altbacken inszeniert; interaktive Momente sind rar, vieles ist klassisch hinter Glas. Die Kinder in unserer Gruppe verloren sichtbar die Geduld – und ich kann es ihnen nicht verdenken. Für mich als interessierten Hobbyhistoriker war es dennoch wertvoll, weil sich hier die lange Linie der Region greifen lässt, aber als Familienprogramm hätte ich mir mehr “Anfassen, Ausprobieren, Staunen” gewünscht. Gelernt habe ich trotzdem so einiges – mir war gar nicht bewusst, dass auch in und um Krefeld viele alte Römerlager und -siedlungen gefunden wurden.
Insgesamt kann ich jedem einen Besuch in und um Burg Linn empfehlen. Es war ein schöner Nachmittag :-).