Gamescom-Gedanken

Ich bin seit einigen Jahren nicht mehr persönlich auf der Gamescom (mein letzter Besuch müsste 2018 gewesen sein). Mein Interesse an Games hat zwar nicht nachgelassen, aber wenn man nicht gerade für das Treffen von Gaming-Persönlichkeiten oder alten Bekannten dort hinfährt, dann muss man sich eingestehen: Wenn man die Online-Berichterstattung konsumiert, bekommt man einfach mehr mit. Die Zeiten, in denen man sich über vier Stunden für das Anzocken von Diablo 3 anstellt, sind zumindest bei mir vorbei :D.

Ich verfolge die letzten Jahre die Gamescom immer bei den Rocket Beans. Und auch dieses Jahr war es wieder die aus meiner Sicht beste deutschsprachige Coverage des Events. Sie haben ihre eigene Bühne auf dem Messegelände betrieben (die sogenannte Beanscom), von der täglich mehr als sieben Stunden live gesendet wurde: Mit Spielevorstellungen, Previews, Interviews, Talks und vielen persönlichen Eindrücken direkt von der Messe. Das circa anderthalbstündige “Recap” jeden Tag beinhaltet eigentlich alles, was man wissen muss.

Ein persönliches Highlight waren die Rundgänge in der Retro Area mit Colin und Gregor, die echtes Fachwissen und Begeisterung vermitteln konnten. Genauso faszinierend fand ich die Einblicke in den Indie Arena Booth: Kleine Entwicklerstudios, innovative Ideen, unbekannte Geheimtipps. Alles wurde liebevoll und mit echter Aufmerksamkeit hervorgehoben. All das macht für mich qualitativ hochwertigen Gaming-Journalismus aus. Und natürlich: Die Interviews mit den Herstellern, bei denen nicht stumpf PR-Inhalte abgespult, sondern echte Gespräche geführt wurden. Viele der Bohnen sind schon ein Vierteljahrhundert in der Branche unterwegs – entsprechend offen sind die Gespräche und hoch die Qualität der Gesprächsgäste.

Besonders wichtig für mich: Ich befürworte die klare Grenze, die diesmal gezogen wurde gegenüber massenhaften Influencern, die sich Gamer nennen, nur weil sie einmal Minecraft oder FIFA gestreamt haben – und die jetzt entweder gar nicht oder nur mit massiven Auflagen auf die Messe durften. Für mich ist das ein klares Signal: Qualitätscontent und echter Gaming-Journalismus müssen sich wieder mehr durchsetzen. Wenn ich sehe, welche Gaming-Influencer-Bubbles sich dort herumtreiben, um “Content, Content, Content” zu generieren und sich sogar den klaren Regeln der Messe (“nur Streamen, wenn Security dabei ist”) widersetzen, kommt mir das kotzen. Gerne im kommenden Jahr noch härter durchgreifen.